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Wolfgang Kleemann: Wir müssen jetzt handeln!

Wolfgang Kleemann, Generaldirektor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank ©ÖHT / iStock

Im großen Gastro News Interview spricht Wolfgang Kleemann, Generaldirektor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (kurz ÖHT), Klartext über die Versäumnisse der Branche, die Sommersaison 2021 und das Problem der Mitarbeiter-Bindung und Motivation.

Gastro News hat den Generaldirektor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank, Wolfgang Kleemann zum Interview besucht, um mehr über die aktuelle Lage der Tourismusbranche zu erfahren.

Gastro News: Der Sommer neigt sich dem Ende zu und die kältere Jahreszeit steht vor der Tür. Wie bewerten Sie die Tourismus-Saison 2021?
Kleemann:
Wir können in den meisten Regionen und fast allen Betriebstypen auf eine sehr positive Sommersaison zurückblicken. Besucherzahlen und Nächtigungen sind fast auf Vorkrisenniveau. Das ist natürlich fantastisch. Nachtgastronomie, Veranstaltungs- und Städtetourismus hinken natürlich weiter nach. Wir haben gelernt, dass Betriebe, die einzelne abgeschlossene Beherbergungsbereiche haben, fantastisch gebucht wurden. Insgesamt haben alternative Beherbergungsangebote ganz besonders gut abgeschnitten. Auch Ferienwohnungen und Apartments sind im Aufwind. Der Begriff „Cocooning“ kann hier als Trendwende verstanden werden. Wegen dieser guten Nachfragesituation, aber auch wegen der Förderungen der öffentlichen Hand, sind die Sommerbilanzen der heimischen Gastronomiebetriebe durchwegs gut.

Gastro News: Das ist wohl vor allem in der starken Saison der Außengastronomie begründet. Die Schanigärten strahlen nach wie vor eine starke Anziehungskraft aus. In unserem letzten Gespräch haben wir über den Plan der Förderung der Gastgärten durch die ÖHT gesprochen. Wie wurde das damals angekündigte Förderprogramm von der Branche angenommen?
Kleemann:
Das war vom ersten Tag weg ein Boom! Wir haben ein Budget von 10 Millionen Euro gehabt. Innerhalb von nur zwei Wochen waren die Fördermittel erschöpft. Die Aktion ist voll eingeschlagen und wir haben wirklich eine Vielzahl an Betrieben, sowohl aus der Gastronomie, als auch aus der Hotellerie, unterstützen können.

Gastro News: Die Gestaltung und Eröffnung von Außenbereichen war damals ein Lichtblick für die Branche. Ist darin das große Interesse an der Aktion begründet?
Kleemann:
Natürlich. Im Winter 2020/2021 war allen klar, dass die Outdoor-Gastronomie wohl die beste Möglichkeit sein wird, unseren Gästen gastronomische Leistungen Covid-sicher anzubieten. Und die von uns vorgestellte Förderung war genau auf diese Prämisse maßgeschneidert. Insgesamt haben wir 2.108 Förderanträge im Zuge der Gastgartenoffensive bewilligt. Davon waren 91 Prozent im ländlichen- und 9 Prozent im urbanen Raum. Nur zum Vergleich: In einem normalen Geschäftsjahr betreuen wir rund 800 bis 900 Förderanträge! Der Erfolg der Aktion lässt auf einer Wiederholung im nächsten Jahr hoffen. Daran arbeiten wir.

Gastro News: Die Gastronomie und Hotellerie hat früh eigene Konzepte zur Corona-Sicherheit in den Betrieben entwickelt und umgesetzt. Und der Sommer ging soweit ohne Horror-Meldungen über Clusterbildungen in der Branche ins Land. Wurde hier alles richtig gemacht?
Kleemann:
Wir haben das Covid-Thema insgesamt sehr diszipliniert aufgegriffen und das über den gesamten Sommer. Natürlich gibt es immer schwarze Schafe, der Großteil der Betriebe ist aber mit gutem Beispiel vorangegangen.

Gastro News: Jetzt kommt der Winter und mit ihm die Sorge um mögliche Restriktionen. Rechnen Sie mit harten Maßnahmen gegen die Tourismusbetriebe?
Kleemann:
Natürlich wächst die Angst vor dem Winter. Und die von der Bundesministerin Köstinger in Aussicht gestellten Winter-Regelungen sind zwar notwendig, aber auch drastisch in ihrer Tragweite. Außerdem kommen sie sehr spät und erschweren es den Betrieben, sich auf die notwendigen organisatorischen Maßnahmen einzustellen; auch die aktuelle Diskussion einer 1G Regel für die Hotellerie und Gastronomie lässt nichts Gutes erahnen.

Gastro News: Was würde die Einführung der 1G für die Branchen bedeuten?
Kleemann:
Die Konsequenzen wären verheerend. In einem typischen Hotel und Gastronomiebetrieb liegt die Impfrate derzeit bei etwa 75 Prozent. Wir würden also rund ein Viertel unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren, weil, dass sich die Betroffenen, die sich bislang nicht impfen ließen, aufgrund einer möglichen 1G Verordnung der Bundesregierung jetzt impfen lassen gehen, halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Gastro News: Und das, obwohl der Mangel an geeignetem Personal längst eine enorme Belastung für die Gastronominnen und Gastronomen darstellt. Hat die Branche durch die Corona-Krise, der Kurzarbeit und der Kündigungen einen Image-Schaden erlitten, der das Vertrauen ehemaliger und zukünftiger Mitarbeiter nachhaltig geschwächt hat?
Kleemann:
Die Branche hat schon vor der Krise und der Kurzarbeit mit ihrem Image zu kämpfen gehabt. Und Teile davon sind bestimmt auch selbst gemacht. Wir haben sicher versäumt, unsere Branche auch nach außen attraktiv zu gestalten. Wir haben sicher verpasst, den potentiellen und bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu signalisieren, wie „klaß‘ und lässig“ es ist, im Tourismus zu arbeiten. Wir haben versäumt, zu kommunizieren, dass fast jeder Mitarbeiter über freie Kost und Logie verfügt. Unter dieser Berücksichtigung ist auch erkennbar, dass die Gehälter im Tourismus nicht so schlecht sind, wie sie immer dargestellt werden. Auch das Thema „Trinkgeld“ wird bei den Gehaltsverhandlungen nur unzureichend berücksichtigt. Das alles und viele andere positive Aspekte haben wir zu wenig kommuniziert.

Gastro News: Welche positiven Aspekte sollten, neben den eben angeführten, stärker an die Öffentlichkeit herangetragen werden?
Kleemann:
Die Öffentlichkeit verortet seit jeher eine Problematik bei den Arbeitszeiten der Branchen. Ich spreche natürlich von den Diensten an Samstagen oder auch Sonn- und Feiertagen. Es wird gleichwohl viel zu wenig darauf verwiesen, dass wir in Wirklichkeit extrem flexible Arbeitszeiten haben. Da besteht ohne Zweifel ein gewisser Nachholbedarf und es braucht positivere Öffentlichkeitsarbeit. Wir müssen die Begeisterung weitergeben und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter damit anstecken. Sonst machen wir was falsch.

Gastro News: Spontan gefragt, wie könnte so ein Motivationsschub von Seiten der Arbeitgeber für die Mitarbeiter aussehen?
Kleemann:
Eine Möglichkeit wäre die Einführung von Mitarbeiter-Bindungsprogrammen. Auch entsprechende Bonifikations-Systeme bieten sich an um die Motivation zu steigern. Andere Industrien haben das. Die Hotellerie und Gastronomie hinkt in dem Punkt etwas hinten nach. Wir wollen dieses Thema  aufgreifen, denn wir haben jährlich einen Fördercall, die sogenannte Innovations-Million. Damit unterstützen wir Bereiche, bei denen akuter Handlungsbedarf besteht bereits von der Projektidee weg. Heuer haben wir beispielsweise das Thema Resilienz im Tourismus bespielt und dazu rund 30 sehr spannende Förderanträge bekommen, die zeigen, dass es eine Vielzahl von Ideen gibt, sich gegen die Krise zu stemmen. Ich versuche und gehe davon aus, dass es mir gelingen wird, für nächstes Jahr das Thema Mitarbeiter-Motivation in den Fokus der Innovations-Million zu rücken.

Gastro News: Auch wenn die Frage dahingehend verfrüht ist, was müssten die Arbeitgeber mitbringen, um bei einem derartigen Förderprogramm berücksichtigt zu werden?
Kleemann:
Es soll darum gehen, Mitarbeiter-Bindungs- und -Motivationsprogramme zu schaffen und mit diesen Einreichprojekten, branchenweit wahrnehmbare Beispiele zur Verbesserung der gesamten Arbeitssituation vorstellen zu können. Da gibt es ganz tolle Ideen aus der Vergangenheit, aber auch aus der Ist-Situation. Ein bekannter Koch hat beispielsweise regelmäßig eine Mitarbeiterin/Mitarbeiter des Monats gekürt. Der oder die durfte dann eine Woche lang mit einem Porsche fahren. Ich glaube es gibt unzählige Möglichkeiten die jungen Leute für unsere Branche zu begeistern. Wir haben es nur vergessen oder denken zu wenig d’rüber nach. Wichtig scheint mir, dass Mitarbeitermotivation nicht (nur) einzelbetriebliche Maßnahmen sein sollen bzw. müssen. Das Konzept kann auch in Zusammenarbeit mehrerer Betriebe entstehen und eingereicht werden. Es kann auch von einer Angebotsgruppe kommen, einer Destination oder einer ganzen Region. Denn Mitarbeiterbindung und Motivation geht weit über den einzelnen Betrieb hinaus. Wir müssen die Chance nutzen, aus der Krise gelernt zu haben. Gerade im Bereich der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

Gastro News: Als ehemaliger Hotelbesitzer haben Sie persönliche Erfahrungen mit dem Mitarbeiter-Umgang gemacht. Welchen Rat können Sie spontan weitergeben?
Kleemann:
Ich bin mit der Thematik der Mitarbeitermotivation bestens vertraut. Und auch mit den damit verbundenen Schwierigkeiten. Die kenne ich aus erster Hand. Nur um ein Beispiel zu geben: Wenn ich einen neuen Rezeptionisten oder eine neue Rezeptionistin eingestellt habe, bin ich die ersten beiden Diensttage mit ihm oder ihr durch die Gegend gefahren, habe ihnen die besten Wirte gezeigt, die schönsten Heurigen und idyllischsten Wanderwege. Das macht sie zu authentischen Botschaftern der Region und weiter zu besseren Mitarbeitern. Davon profitieren Gast und Mitarbeiter gleichermaßen – ersterer, weil er authentische Informationen bekommt, das Team, weil er oder sie in ihrem Auftreten gefestigt ist. Letztlich ist auch der Betrieb Gewinner, weil Mitarbeiter- und Gästezufriedenheit gleichermaßen gesteigert werden.

Gastro News: Stichwort Betrieb als Gewinner: Die große Pleitewelle ist im Jahr 2021 für die Branchen bislang ausgeblieben. Wir haben uns auch über diverse Neueröffnungen freuen können. Wie hat sich der Markt aus Sicht der ÖHT entwickelt?
Kleemann:
Ich sehe keine Veränderungen im Bereich der Eigentümerbetriebe. Es wird uns eher im Segment der Pachtbetriebe ein bisschen schütteln, weil den Pächtern über weite Strecken die Luft ausgehen wird. Hier rechne ich mit Veränderungen. Zudem wird die gehobene Gastronomie den Einsatz hochwertiger Produkte weiter intensivieren. Denn die Gäste schätzen das qualitative Essen heute mehr, als vor der Krise. Auch die Preise werden sich nach oben bewegen. Das hängt natürlich mit den Mitarbeiterkosten, den Produktkosten und dem Bewusstsein des Gastes zusammen.

Gastro News: Haben Sie den Sommer nutzen können, um Urlaub zu machen und Kraft zu tanken, wie man so schön sagt?
Kleemann:
Ich habe eine Tour durch Österreich zu einigen unserer Kunden gemacht. Wenn man so will, ist das einem Urlaub sehr nahe gekommen. Corona hat aber auch bei mir zu einer gewissen Cocooning-Einstellung geführt. Daher habe ich bewusst auf Großveranstaltungen verzichtet. Echten Urlaub gab es nur in engster Verbindung mit dem Home-Office. Nicht erreichbar zu sein, war im Sommer 2021 einfach nicht möglich. Dennoch fühle ich mich erholt und bin bereit für alles, was uns im Herbst und Winter erwartet.

Gastro News: Nach der Wiedereröffnung der Gastronomie im Mai diesen Jahres: Welches Restaurant haben Sie zuerst besucht?
Kleemann:
Ich war an dem Tag nicht in Wien, daher habe ich die Stiftsschmiede in Ossiach besucht. In Wien bin ich dann zuerst ins Huth da Moritz essen gegangen.

Gastro News: Danke für das Gespräch.

Österreichische Hotel- und Tourismusbank

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