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Peter Schaider im Interview: Gastronomie und Handel tragen keine Schuld!

Der Inhaber und Betreiber des Auhof Centers, Peter Schaider, spricht Klartext im großen Gastro News Interview ©Culinarius

Der Inhaber und Betreiber des Auhof Centers, Peter Schaider, spricht im großen Gastro News Interview Klartext über die verheerenden Nachwirkungen der Corona-Pandemie, illegale Treffen im Keller-Stüberl und stellt fest, wer wirklich Schuld an der Verbreitung des Corona-Virus ist.

Das Auhof Center zählt zu den beliebtesten Einkaufszentren Wiens und ist längst täglicher Treffpunkt zum Shoppen und Genießen. Doch seit dem Ausbruch der Corona Pandemie, vor rund einem Jahr, ist alles anders. Handel und Gastronomie mussten sich den harten Verordnungen und Maßnahmen der Bundesregierung anpassen. Über die daraus resultierenden Folgen und die Arbeit als Betreiber eines Einkaufszentrums während der Krise spricht Peter Schaider im Gastro News Interview. Unverblümt und mit klaren Worten.

Gastro News: Das Auhof Center beheimatet Handel und Gastronomie. Wie steht es um die krisengebeutelten Betriebe, ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona Pandemie?
Schaider: Das Auhof Center hat den großen Vorteil, die beste Gastronomie im Westen Wiens zu beheimaten. Insgesamt haben sich rund 20 Gastronomiebetriebe hier eingemietet. Die Kombination mit dem Handel funktioniert extrem gut und ist Fundament für das Kundenerlebnis Einkaufszentrum. Und genau dieses Erlebnis geht durch die geschlossene Gastronomie verloren. Im Moment steht natürlich alles still und die meisten Läden sind nur bedingt geöffnet. Sie sind dunkel, oder laufen im Notbetrieb.

Gastro News: Apropos dunkel. Als Betreiber des Auhof Centers sind auch Sie direkt von der Krise betroffen. Wie gehen Sie persönlich damit um?
Schaider: Für mich ist ein lebloses Einkaufzentrum natürlich eine Katastrophe. Ich erinnere mich gut an die Ankunft im Auhof Center am 16. März 2020. Der Weg ins Büro war schrecklich und meine Mitarbeiter dachten erst, ich hätte mich mit Corona infiziert. So bleich war ich. Es hat zwei bis drei Tage gedauert, um die Situation in ihrem gesamten Ausmaß zu begreifen. Das Einkaufszentrum ist endlich fertig. Mit fantastischer Gastronomie und allen Geschäften die das Herz begehrt. Und dann das. Auf einmal ist alles dunkel. Leere Gänge und besorgte Gesichter, immer mit der Frage auf den Lippen, wie es jetzt weitergehen soll. Das war auch für mich eine harte Erfahrung und Zeit.

Gastro News: Die Maßnahmen der Bundesregierung die Gastronomie betreffend, sind seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie bekanntlich besonders hart. Aber auch der Handel hatte es in den letzten Wochen und Monaten nicht einfach. Woran kann das liegen?
Schaider: Das ist ganz einfach zu beantworten. Sowohl der Handel als auch die Gastronomie haben keine starke Lobby hinter sich. Bedenkt man, dass die Industrie und das Baugewerbe unentwegt und emsig am Arbeiten sind. Und das ohne Pause und Lockdown Beschränkungen. In einem Baucontainer ist die Ansteckungsgefahr um ein Vielfaches höher, als es in einem gut durchlüfteten und kontrolliertem Restaurant der Fall ist. Da ist der Rückhalt einfach ein anderer, den ich in der Gastronomie und im Handel leider vermisse.

Gastro News: Die Gastronomie in Einkaufszentren funktioniert nach eigenen Regeln und Gesetzen. Worauf kommt es an?
Schaider: Es ist ein klarer Trend erkennbar. Immer mehr Gastronomen drängen in die Einkaufszentren. Die Asiaten haben das längst verstanden. Die Österreicher sind, was das Verständnis um die Vorteile eines Gastronomiebetriebs in einem Einkaufszentrum angeht, leider etwas hinten nach. Aber auch das ändert sich. In Asien ist das Konzept „Essen und Shoppen“ längst etablierter Alltag. Österreichische Vorreiter sind beispielsweise Le Burger, Amador oder die L´Osteria.

Gastro News: Wie wichtig ist das richtige Verhältnis von Gastronomie und Handel in einem Einkaufszentrum wie dem Auhof Center?
Schaider: Um ein Einkaufszentrum erfolgreich zu führen, ist ein ausgewogenes Verhältnis der beiden Branchen ungemein wichtig. Und natürlich die Dichte und Diversität des Angebots, in beiden Bereichen. Früher war das anders. Es galt die Meinung, so wenig Gastronomie wie möglich ins Haus zu holen. Mit dem Vorwand, die Gastronomen würden am schlechtesten zahlen. Das ist mittlerweile vorbei. Einkaufszentren profitieren von den Gastronomen und umgekehrt. Früher waren es maximal fünf Prozent, heute gehen auch zwanzig Prozent Gastronomie in einem gut organsierten Einkaufszentrum. Insgesamt handelt es sich um eine Win-Win-Situation, bei der es nur Gewinner gibt.

Gastro News: Welche Vorteile genießen die Gastronomen im Komplex Einkaufszentrum, gegenüber ihren innerstädtischen Kolleginnen und Kollegen?
Schaider: Die Frequenz in einem gut laufenden Einkaufzentrum ist natürlich hoch. Die Gastronomen müssen sich nicht auf Stammgäste verlassen, dafür müssen Qualität und Tempo stimmen. Bei den meisten Anbietern handelt es sich daher um Systemgastronomie. Die lebt von einer guten Struktur und Organisation. Aber auch die bodenständige Wiener Küche würde exzellent funktionieren. Davon bin ich überzeugt. Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Die Kunden haben Parkplätze, Sonntag ist Ruhetag, um spätestes 22:00 Uhr ist Sperrstunde und die Gäste kommen von ganz allein. Die Gastronomie in Einkaufzentren, das kann man so sagen, ist mittlerweile sehr erfolgreich.

Gastro News: Sie haben gerade die Frequenz angesprochen. Wie hat sich das Besucheraufkommen im Krisen-Jahr 2020 entwickelt, verglichen mit den Vorjahren?
Schaider: Natürlich steht das Geschäftsjahr 2020 in keiner Relation zu den vorherigen. Das ist schon aufgrund der angeordneten Schließungen und der Sorge innerhalb der Bevölkerung nicht möglich. Zum besseren Verständnis bedeutet das in Zahlen: Im Schnitt haben wir 9. Millionen zahlende Kunden pro Jahr im Auhof Center. Im Corona-Jahr 2020 waren es zwischen 20 und 25 Prozent weniger. Das ist schon gewaltig.

Gastro News: Das letzte Jahr hatte es in sich. Wie haben die Betriebe im Auhof Center auf die neue Situation reagiert?
Schaider: Not macht erfinderisch, wie man so schön sagt. Und natürlich nutzen die Unternehmer im Auhof Center, jede noch zur Verfügung stehende Möglichkeit, um zu wirtschaften. Ob mit ´Click and Collect´, Lieferservice- oder Take-Away-Angebot. Das funktioniert bei den Meisten sehr gut. Paradebespiele einer gelungenen Neuausrichtung auf die noch möglichen Geschäftszweige, sind unter anderem die L´Osteria und Le Burger. Aber natürlich fehlen große Teile des Umsatzes trotzdem. Niemand bleibt sitzen um etwas zu trinken. Niemand bestellt sich ein Dessert. Und die Pizza schmeckt aus dem Karton auch nicht besser, als heiß am Teller serviert.

Gastro News: Gibt es Betriebe im Auhof Center die komplett geschlossen sind und keine der Möglichkeiten nutzen, oder nicht nutzen können, um auch im Lockdown Umsätze zu generieren?
Schaider: Die gibt es natürlich auch. Leider. Nicht alle haben die technischen Möglichkeiten oder die Manpower, um auf die neuen Systeme umzustellen. Der Versuch wird natürlich trotzdem unternommen, da geht es auch um Hoffnung und die Aussicht auf Umsätze. Wenn das Geschäft dann nach wenigen Tagen nicht in Gang kommt, wird die Schuld dafür leider häufig bei Anderen gesucht und der Betrieb wieder geschlossen. Da muss man durchhalten und auf sich aufmerksam machen. Sonst funktioniert es nicht. Andere Betriebe dürfen laut Verordnung nicht öffnen und bleiben deshalb ganz geschlossen.

Gastro News: Die Corona Krise bringt viele Unternehmer an die Grenzen der Belastbarkeit. Geistig und körperlich. Haben Mieter im Auhof Center das Handtuch geworfen, einfach aufgegeben?
Schaider: Nein. Bis jetzt noch nicht. Gott sei Dank muss ich dazu sagen, denn die Situation ist für niemanden einfach. Speziell für die drei Gastronomiebetriebe, die erst im Jahr 2020 im Auhof Center eröffnet wurden, gestaltet sich die aktuelle Situation als Herkulesaufgabe. Genauer gesagt geht es um einen Imbissstand, das Happy Henrietta und eine neue Tapas-Bar. Voll Zuversicht wurden diese Betriebe im Mai, Juni und September 2020 eröffnet. Jetzt fehlt die finanzielle Unterstützung und Förderung bei geschlossener Geschäftsfläche. Diesen Betrieben werde ich als Betreiber natürlich helfen. Untätig zusehen, wie die Probleme ihren Lauf nehmen kommt nicht in Frage.

Gastro News: Sind alle Geschäftsflächen vermietet, oder dürfen sich die Gäste im Jahr 2021, sofern es wieder möglich wird, auf neue Eröffnungen im Auhof Center freuen?
Schaider: Wir haben uns, unabhängig von Corona, von einem unserer Mieter verabschiedet der Wiener Küche in seinem Betrieb angeboten hat. Das hat zu Beginn auch sehr gut funktioniert. Bedauerlicherweise hat die Qualität der Gerichte rasch abgenommen. Darauf habe ich auch mehrfach hingewiesen, aber der Standort war letztendlich nicht zu retten. Für die frei gewordene Fläche gibt es bereits den einen oder anderen Interessenten. Die Entscheidung über die Nachfolge verzögert sich aufgrund von Corona leider. Was ich aber schon fix sagen kann ist, dass wieder bodenständige, österreichische Küche angeboten werden wird.

Gastro News: Der Handel darf am 08. Februar 2021 wieder sanft geöffnet werden. Die Gastronomie bleibt indes bis mindestens Anfang März geschlossen. Welche Auswirkungen hat das Fehlen der Gastronomie auf das Konsumverhalten der Besucherinnen und Besucher des Auhof Centers?
Schaider: Die Besucherfrequenz eines Shopping-Centers nimmt ohne Gastronomie um rund 20 bis 25 Prozent ab. Das ist eine Tatsache und auch hier im Auhof Center nicht anders. Auch die Aufenthaltsdauer verkürzt sich durch die fehlende Gastronomie enorm. Die Menschen kaufen zielgerichtet ein, vermeiden jeden Kontakt und stürmen zügig zurück ins Auto. Das Shopping-Erlebnis ist verloren gegangen. Und der Spaß ist zur Aufgabe verkommen. Als überzeugter Nichtraucher habe ich mich damals klar gegen das Rauchverbot ausgesprochen. Ich möchte meinen Gästen einfach den Genuss und die Lebensqualität lassen und gönnen. Am wichtigsten ist es, die Zufriedenheit der Gäste hoch zu halten. Egal wie widrig sich die äußeren Umstände gestalten.

Gastro News: Gab es im Auhof Center seit Bekanntwerden des Corona Virus ein erhöhtes Infektionsgeschehen, ausgehend von den Gastronomiebetrieben im Haus?
Schaider: Absolut nicht. Die Lokale verfügen über hochmoderne und gut funktionierende Raum-Lüftungen. Die Küchenabluft ist zudem so stark, dass die Qualität der Luft auf einem extrem hohen Level ist. Da besteht keine Ansteckungsgefahr. Die Gastronomie sollte nicht als Sündenbock dargestellt werden. Das ist sie nämlich nicht. Ich kenne keinen Gastronomen, der sich nicht an die Maßnahmen und Verordnungen der Bundesregierung gehalten hat. Egal ob es dabei um die Registrierungspflicht, die Abstandsregel, die Desinfektion und Sauberkeit, oder das Tragen von Masken in Bewegung ging. Alles wurde korrekt und nach Vorschrift umgesetzt. Da gibt es ganz andere Situation, wo stärkere Kontrollen notwendig wären.

Gastro News: Welche Situationen sprechen Sie damit konkret an, bitte führen Sie das aus?
Schaider: Ich komme ursprünglich vom Land. Daher weiß ich, dass sich die meisten Häuslbauer der letzten Jahre und Jahrzehnte, ganz nach dem Vorbild der Großeltern, ein Keller-Stüberl gebaut haben. Das Heiligtum der Männer, das im Endeffekt meist ungenutzt geblieben ist. Zum einen, weil es im Keller und damit recht dunkel ist und zum anderen, weil es keine Fenster gibt. Seit Corona ist das freilich anders. Jetzt sitzen sie zu zehnt da unten, spielen Karten und trinken Alkohol. Ohne Frischluft, ohne Abstand und ohne Masken. Private Treffen wie diese sind das Problem. Nicht die Gastronomie und der Handel. Davon bin ich überzeugt.

Gastro News: Dennoch sind der Handel und die Gastronomie heute noch geschlossen, mit enormen wirtschaftlichen Folgen. Rechnen Sie mit einer baldigen Entspannung der Situation?
Schaider: Bis zurück in die Normalität, wie wir sie vor dem Ausbruch der Pandemie kannten, ist es noch ein weiter Weg. Die Wirtschaft wird die Jahre 2021 und 2022 brauchen, um sich zu erholen. Das geht nicht von heute auf morgen. Die langfristigen Folgen sind extrem. Die Leute haben gelernt, Zuhause zu kochen. Haben sich Küchenutensilien besorgt und sich mit der neuen Situation arrangiert. Und natürlich wird sich das auch nach der Öffnung der Gastronomie nicht von einem auf den anderen Tag umkehren. Das ist nur eines von unzähligen Problemen, die wir in Zukunft noch bewältigen werden müssen.

Gastro News: Um welche weiteren Probleme handelt es sich dabei genau?
Schaider: Ich habe große Sorge um alle Menschen, die schon seit knapp einem halben Jahr, oder sogar länger, in Kurzarbeit sind. Das betrifft in erster Linie die Dienstleister. Männer und Frauen, die ihren Job gerne machen und jetzt untätig in den eigenen vier Wänden verharren. Das ist doch keine Lösung. Kellner und Köche suchen sich neue Jobs und verlassen die Branche. Zurecht. Die Firmen werden das zusätzliche Problem haben, die Angestellten wieder erfolgreich zurück in den Arbeitsalltag zu führen. Nach all der Zeit. Da geht es neben der physischen Aktivierung, auch um die psychische. Das wird eine harte Aufgabe. Zudem kommen natürlich die finanziellen Hürden. Wir haben vor der Pandemie Speck angesetzt. Haben Betriebe erfolgreich geführt, grüne Zahlen geschrieben und Gewinne erwirtschaftet. All das wurde im letzten Jahr zerstört und das vorhandene Kapital vernichtet. Personal wurde nicht ausgebildet und der anstehende Fachkräftemangel damit intensiviert. Es geht schon heute darum die Nachwirkungen zu erfassen, um dort einzugreifen, wo es dringend notwendig sein wird.

Gastro News: Wie könnte man diesen Problemen entgegenwirken, noch bevor sie ein Ausmaß annehmen, das nicht mehr zu korrigieren ist?
Schaider: Es muss jetzt auf jeden Fall sehr schnell wieder losgehen. Am besten schon Anfang März. Ansonsten hat die Gastronomie bald keine Mitarbeiter mehr, keine Motivation und vor allem kein gut geschultes Personal. Die Gastronomie ist nicht schuld an der Verbreitung des Corona-Virus. Das belegen internationale Studien, wie beispielsweise aus Frankreich. Auch der Handel trägt keine Schuld. Man sollte die Leute zur Rechenschaft ziehen, die den Virus tatsächlich verbreiten. Da spreche ich in erster Linie von privaten Treffen und Feiern, die besser kontrolliert werden müssten. Im städtischen und ländlichen Bereich gleichermaßen. Auch die Mitarbeiter der Lieferdienste gehören strenger kontrolliert. Immerhin geht es da um unfassbar viele tägliche menschliche Kontakte. Zur Eindämmung der Corona Pandemie wäre ein Verbot des online-Shoppings bestimmt zielführend. Und wir sollten damit aufhören, uns auf Simulationsforscher zu verlassen und endlich konkret werden. Denn forschen heißt bekanntlich nicht wissen.

Gastro News: Danke für das Gespräch.

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