Klein Szechuan in Neubau

Andrea Wieger

Chinesisch essen außerhalb Chinas. Nun ja … für meinen Geschmack ist das nicht immer ein Genuss. Acht Schätze süß-sauer, glutamathaltige Suppen und Saucen, warmer Pflaumenschnaps als Digestif … kulinarisch gibt´s da schon Besseres. Vor allem hat all das relativ wenig zu tun mit der richtigen, echten Küche Chinas.

Nan Du heißt der Mann, der den Hauptstädtern hierzulande zeigen will, dass es eben auch anders geht. Fünf Jahre lang war er Geschäftsführer der China Bar in der Burggasse, eines von fünf Lokalen des in der Wiener Gastroszene nicht mehr wegzudenkenden Simon Xie Hong. Und dann? Dann wollte er selber Gastronom sein. Der Chinese entschied sich für die scharfe Szechuan-Küche, womit der Name seines Lokals „Chili und Pfeffer“ somit Programm ist.

Von außen wirkt das Restaurant aufgrund des rot leuchtenden Schriftzugs und der einfachen Fassade modern. Von innen ebenso: die Bar im Eingangsbereich ist der Raucherbereich (zugegeben, das ist sehr unmodern), doch der hintere Teil des Lokals macht mit der langen roten Lederbank, den roten Hängelampen und der „falschen“ Ziegelwand schon was her. Wirkt gemütlich. Weniger gemütlich find ich´s dann, wenn ich immer lauter sprechen muss, um von meinem Gegenüber verstanden zu werden. Schon klar, die Chinesen sind ein lautes Volk, auch – oder besser gesagt – vor allem beim Essen. Schön wär´s hier aber, wenn man den Bogen zur österreichischen, etwas „leiseren“ Esskultur spannen könnt´.

Hauptkriterium für die Bewertung eines Restaurants soll aber natürlich das Essen sein. Diesmal begleitet von einem charmanten, kulturaffinen Herrn „aus dem Fernsehen“, machten wir uns erstmal daran, die Speisekarte richtig zu deuten. Die Rubrik Erde steht für „bodennahe“ Tiere, da gibt´s Mangalitza-Schweinebauch, Beiried, Lammniere, Rinderwange, Kutteln und so Sachen. Die Abteilung „Himmel“ bietet Geflügelgerichte wie verschärfte Entenzungen, Hühnerleber in Flammen oder knuspriges Maishähnchen. Und schließlich das Wasser: Fjordforelle, Froschschenkel, Calamari oder Seebarsch, um nur einige Gerichte zu nennen. Beinahe alle Speisen haben eines gemein: die Schärfe. Diese lässt sich auf Wunsch individuell anpassen, doch wird bei der Bestellung diesbezüglich nichts erwähnt, spart der Koch nicht mit Gewürzen, die ordentlich einheizen. Allen voran natürlich der Szechuanpfeffer. Der ist in der Küche vermutlich kiloweise vorrätig.

Wir entschieden uns für eine breitgefächerte, wenn auch nicht sonderlich mutige Mixtur (Innereien sind nicht so meins): erstmal Oktopussalat mit Selleriestreifen, bei dem sich Schärfe und Säure gut die Waage halten, allerdings zu viel Öl verwendet wird. Optisch zwar eher auf der blassen Seite zuhause, dennoch: die ordentliche Menge Koriander im Salat lässt unsere Mundwinkel schon mal nach oben wandern. Die auf hübschen Tellerchen servierten Entenrollen lassen mich da schon eher gedanklich nach China reisen: mit Entenbrust, Jungzwiebeln, Koriander und Gurke gefülltes dünnes Fladenbrot schmeckt aufgrund der braunen Zuckersauce darin zwar ein wenig zu süß, doch der Geschmack nach Ente kommt trotzdem noch gut durch. Dann Dim Sum. Mit Shrimps, Schwein und Ingwer gefüllt. So ganz solo schmecken die weichen Teigdinger gut, fast ein bisschen zu dezent, eingetunkt in die rote Chilisauce dann aber nur nach „ah, das brennt“. Feurig, dieses rote Zeug. Eindeutig unser Favorit des Abends war die leicht scharfe Soft Shell Krabbe. Knusprig frittiert, mit Gemüse, Erdnüssen und Sesamöl serviert. Herrlich. So macht essen Spaß.

Weil all diese kleinen Speisen für den Anfang schon mal gut eingeheizt haben, aber immer noch Raum für mehr vorhanden war … korrekt, es ging weiter: Riesengarnelen-Tempura mit Kreuzkümmel und Chili – ein bunter Haufen Gemüse mit knackigen Garnelen obendrauf war das. Knoblauchlastig, würzig, „eine runde Sache“ sagt der Mann am Tisch. Zu guter Letzt noch das schärfste Gericht des Abends: Rindsfilet mit Wokgemüse und Schwarzpfeffer-Sauce. Das Fleisch sehr zart, die Pfeffersauce hocharomatisch und extrem wärmend, ein echter Scharfmacher zum Schluss. Was es dem Gericht allerdings fehlte war das angebliche Wokgemüse. Ein paar grüne Paprikaschoten und zu viel Jungzwiebel – da fehlt es eindeutig an Körper.

Vegetarier – in China vermutlich eine Minderheit, in Österreich aber gut vertreten – kommen im Chili und Pfeffer auch auf ihre Kosten. Seetang- oder Glasnudelsalat, Tofu-Ragout, Wasserspinat und mehr … auf der Karte zu finden in der Kategorie „der Garten“. Fein.

Auch fein sind die Preise. Vorspeisen ab € 4,20, Hauptspeisen bis zu € 16,20 – das Preis-Leistungs-Verhältnis passt meiner Meinung nach gut. Ebenso das Getränkeangebot: eine nette Auswahl an Weiß- und Rotweinen, dazu ein Chef der davon auch Ahnung hat, zwei chinesische Biere, das obligatorische China-Tee-Angebot und ein paar Limonaden von der hippen Ingwer-Minz-Thymian-Gojibeeren-Basilikum-Fraktion.

Unser Fazit:

Bravourös gewürzt, kreativ, komplex im Geschmack. Vielleicht ein klein wenig ausbaufähig was die Menge am Teller betrifft (Stichwort Körper). Und einen Minuspunkt gibt’s auch für die ungute Akustik. Doch alles in allem ist das Chili und Pfeffer freilich keine schlechte Adresse in Wien für die würzige Szechuan-Küche. Ausprobieren!
Danke Martin, für´s miteinander-teilen dieser scharfen China-Erfahrung!

 

Chili und Pfeffer

Schottenfeldgasse 86

1070 Wien

Tel.: 01/944 40 90

www.chilipfeffer.at

Geöffnet: Montag bis Freitag 11:30 – 14:30 & 17:00 – 24:00,
Samstag 17:00 – 24:00, Sonntag & Feiertag 12:00 – 22:00