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Café Cobenzl: Zwischen Moderne und Historisierung

Aufnahme von 1952, (c) Potyka Anton/ÖNB-Bildarchiv/picturedesk.com

Wien (Culinarius) [share_snippet] Die Zwischennutzung des Café Cobenzl ist mit einem Pop-up Café bereits angelaufen, die Stadt Wien strebt die Modernisierung des Areals an. Die Initiative Denkmalschutz jedoch fürchtet die Zerstörung des „historisch wertvollen“ Baus und fordert eine Schutzzone. [/share_snippet]

Einer der beliebtesten Ausflugs- und Aussichtspunkte der Wiener hat wieder einen Ort zum Einkehren. Ein Pop-up-Café bewirtet über den Sommer Ausflugsgäste mit Kaffee, Kuchen und kleinen Snacks am Cobenzl. Fünf Jahre und 18 Verfahren lang hat es bis hierher gedauert von dem Tag an, als die Stadt Wien den Pachtvertrag für das Café Cobenzl kündigte und Eigenbedarf anmeldete. Seitdem wurde viel gesagt und noch mehr gestritten. Ex-Pächter Olaf Auer musste im vergangenen März die Zwangsräumung akzeptieren und dem neuen Projekt weichen.
Für die Zwischennutzung wurde ein Programm aus Märkten, Ausstellungen, Kunst-Performances und musikalische Veranstaltungen entwickelt. Am 10. Juni öffnet sich der Schlossgarten für Besucher, die gefüllte Picknick-Körbe kaufen und im Garten mit Blick auf Wien verzehren können. Betreiber des vorübergehenden Lokals sind Jürgen Bauer, Georg Demmer und David Kreytenberg, die für das Projekt die Arbeitsgruppe Luftschloss gegründet haben. Sie möchten das „verschroben biedere“ Konzept von damals aufbrechen und verjüngen, wie die Betreiber in einem Interview berichten. Im Herbst soll dann gemeinsam mit dem Siegerprojekt der europaweiten Ausschreibung ein qualitätssicherndes Architekturverfahren stattfinden. Da in der Ausschreibung für die Neugestaltung kein Erhaltungsgebot formuliert wurde, bereitet der Initiative Denkmalschutz jedoch Bauchschmerzen. Befürchtet wird der Abriss des nach ihrer Auffassung denkmalwürdigen Gebäudes. Eigene Recherchen soll gezeigt haben, dass die historische Bausubstanz aus 1910 im secessionistisch beeinflussten barockisierenden Heimatstil weitgehend erhalten ist.

Einsturzgefahr nur ein Vorwand?
Die Initiative wirft die Frage auf, ob die „medial verbreitete Behauptung einer Einsturzgefährdung“ als Vorwand für einen Abriss dienen könnte. In der Petition heißt es, die Stadt Wien bzw. Stadträtin Ulli Sima hätte zeitgleich mit der Einladung zum Pächterfindungsverfahren dem Gebäude – ohne angeschlossenem Ergebnis einer bautechnischen Überprüfung – eine Einsturzgefährdung attestiert. Auf Nachfrage bei Markus Landerer von der Initiative erklärt er: „Natürlich wissen wir es nicht, aber für uns entsteht der Eindruck, dass dies als Vorwand genutzt werden könnte. Zumal die Öffentlichkeit von den Fakten (Gutachten etc.) ausgeschlossen wird und man darauf angewiesen ist, den Behörden zu glauben.“ Genau dies dürfe man jedoch nicht ohne weiteres, wie der Seebahnhof Gmunden und dessen rechtswidrige Aufhebung des Denkmalschutzes und die folgende Zerstörung, sowie weitere Beispiele zeigen.

1910: Innenraum im barockisierend-secessionistischen Stil (c) Archiv Wallisch-Pertl

Die geforderte Schutzzone am Cobenzl würde den Meierhof aus 1887, das „Weingut Cobenzl“, die Bedienstetenwohnhäuser in Heimatstilformen von 1910 und den Pfeiler-Torbau aus der Zeit des Grafen Cobenzl umfassen. Vorerst hat das Denkmalamt jedoch eine negative Antwort erteilt. Sowohl das Café- Restaurant Cobenzl als auch das Rundcafé würden die geschichtliche, künstlerische oder sonstige kulturelle Bedeutung nicht aufweisen. Bei der Initiative ist man jedoch darum bemüht, neue Fakten zu liefern.

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