27. September 2020
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Neue Ausstellung im jüdischen Museum

Essen ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Kultur – geprägt von lokalen Bedingungen, interkulturellen Entwicklungen, historischen Umständen, religiösen sowie säkularen Traditionen und Gewohnheiten. Hatte Noah auch Schweine auf der Arche? Hat der Granatapfel wirklich 613 Kerne? Hat jeder jüdische Haushalt zwei Küchen? Dürfen sich Juden betrinken? Was ist in der Mazza enthalten? Wie kommt man vom mittelalterlichen Fleischhof ins Kaffeehaus? Sind Pizza und Kebap koscher und gibt es überhaupt eine jüdische Küche? Ausgehend von acht Fragen blickt die Ausstellung „Kosher for…“ auf die historischen, kulturellen, religiösen und sozialen Dimensionen des vielschichtigen Begriffs „koscher“ (hebr. tauglich, rituell erlaubt, gemäß der Vorschrift oder zum Verzehr geeignet).

Kaschrut – Die jüdischen Speisegesetzte: Dass die Kaschrut, die jüdischen Speisegesetze, nicht nur auf das Essen und Trinken beschränkt werden, sondern fixer Bestandteil jüdischer Lebenspraxis sind, wird an mehreren Stellen beleuchtet. Die jüdischen Speisegesetze unterteilen Speisen und Lebensmittel in drei Kategorien: fleischig, milchig und neutral (hebr. parve). Es wird außerdem zwischen zum Verzehr geeigneten und nicht geeigneten Tieren unterschieden. Als „koscher“ gelten alle Tiere, die sowohl gespaltene Hufe haben als auch Wiederkäuer (z.B.: Rinder, Schafe) sind. Vögel, die einen Kropf, eine Hinter- und drei Vorderzehen besitzen (z.B.:

Hühner) gelten ebenfalls als koscher, sofern sie auf spezielle Weise vom Schächter (hebr. Schechita) geschächtet werden. Mit dem so genannten „Hechscher“ – in Form einer Plombe oder eines Stempels -werden koschere Lebensmittel gekennzeichnet. Neutrale Speisen können sowohl mit Fleisch als auch mit Milchprodukten gemeinsam konsumiert werden.

Speisen und Getränke an jüdischen Feiertagen:

Die jüdischen Speisegesetze sind vor allem auch an den hohen jüdischen Feiertagen von besonderer Bedeutung. Dabei nimmt beispielsweise der koschere Wein eine ganz zentrale Rolle ein. Alkohol ist im Judentum prinzipiell gestattet, nimmt in der Verwendung zu jüdischen Feiertagen jedoch eine streng liturgische Rolle ein und wird deshalb oft auch durch Traubensaft ersetzt. Der Wein begleitet in Form des Kiddusch (= Heiligung), der Segnung des Weins, beinahe jeden jüdischen Feiertag, auch den Schabbat, der von Freitag- bis Samstagabend dauert und an den Ruhetag Gottes nach der Schöpfung erinnern soll. Zu Pessach (= Fest der ungesäuerten Brote), einem der wichtigsten jüdischen Feiertage, der an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei erinnert, werden koschere Lebensmittel, die nichts Gesäuertes enthalten, verwendet.

Die Wiener Jüdische Gemeinde blickt auf eine mehr als 800-jährige Geschichte zurück und in der Frage nach der Einhaltung oder auch Ablehnung der Speisegesetze gab es immer wieder ganz unterschiedliche Entwicklungen. Vom mittelalterlichen Fleischhof bis hin zum Kaffeehaus spiegeln ausgewählte Objekte der Ausstellung die Geschichte der Wiener Jüdinnen und Juden unter diesem speziellen Blickwinkel wider. Auch durch Migration wurde die Esskultur in Wien beeinflusst. Durch die physische und spirituelle Vernichtung des europäischen Judentums wurde ein riesiges Loch in die Geschichte der Wiener jüdischen Gemeinde gerissen. Einhaltung oder Verweigerung der Speisegesetze war auch zentraler Bestandteil im Prozess des Wiederaufbaus des jüdischen Lebens in Wien nach 1945. Heute bietet Wien eine sehr umfassende koschere Infrastruktur mit Supermärkten, Fleischereien und zahlreichen Restaurants.

Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt: von kulinarischen Lesungen mit prominenten Gästen über Filmvorführungen und Verkostungen bis zum jüdischen Puppentheater und Challa backen (Brote für den Schabbat) direkt im Museum.

Details zum Veranstaltungsprogramm sowie Infos zur Anmeldung finden Sie auf der Homepage des jüdischen Museums.

Fotocredit:

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