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16. November 2018
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Wein-Wissen: Rebkrankheiten

(Weinserver) Weingärten sind Ökosysteme. Dieser banale Satz erfordert vom Winzer viel Einsatz und Wissen von den Bearbeitungs- und Pflegemaßnahmen, die auf die Lebensgemeinschaft „Weingarten“ einwirken. Ziel der Pflegemaßnahmen muß die Erhaltung einer hohen Artenvielfalt sein, um die natürliche Regulationsmechanismen nützen zu können, aber trotzdem eine ausreichende Produktion zu sichern.

Der Winzer versucht den Schädlingsmöglickeiten durch vorbeugende Maßnahmen (richtige Sortenwahl, schonende Bodenpflege u.a.), mechanische Verfahren (z.B.:Schutzgitter), biologische Verfahren (Schonung und Förderung von Nützlingen, Einbürgerung von Nützlingen, Einsatz biologischer Spritzmittel), biotechnischer Maßnahmen (Einsatz von Phermonen-Fallen, Feststellung der Flugzeiten von Schadinsekten, Veredelung der Reben auf reblausresistenten Unterlagen) und chemische Verfahren entgegenzuwirken, um eine wirtschaftliche Qualitätstraubenproduktion zu erreichen. Diese Kombinationen werden als „integrierter Pflanzenschutz“ bezeichnet.

Pilzkrankheiten

Peronospora (Falscher Mehltau):

Die Peronospora ist eine gefährliche Pilzkrankeit der Rebe, die alle grünen Teile des Rebstockes befallen kann. Die Blätter vertrocknen und der Pilzbefall führt schließlich zu einem völligen Laubverlust am Stock. Gleichzeitig verursacht der Pilz die Bildung eingeschrumpfter, kleiner Beeren (Lederbeeren). Die Schädlinge treten besonders in feuchten Jahren auf.

Eine vorbeugende Bekämpfung des Pilzes erfolgt durch die Erziehung einer lockeren, luftigen Laubwand, da diese rasch abtrocknet. Zur Bekämpfung werden, früher die aggressive Kupfervitriol-Kalkbrühe, organische Fungizide eingesetzt. Durch spezielle Peronospora-Warngeräten kann die Anzahl der Fungizidbehandlung reduziert werden.

Oidium (Echter Mehltau, Äscherich):

Der Pilz überzieht Blätter, Beeren und Triebspitzen mit einem grauem Schimmel. Besonders in trockenen Jahren und bei empfindlichen Rebsorten können starke Beerenschädigungen eintreten. Die Beeren verdorren. Schon ein leichter Befall der Beeren kann eine geruchliche Beeinträchtigung des Weines (Muffton) herbeiführen.

Bekämpft wird diese Krankheit entweder mit Schwefel oder speziellen Fungiziden.

Botrytis (Grauschimmel, Sauerfäule, Edelfäule):

Fluch oder Segen. Ein früher Befall führt bei jungen, unreifen Beeren zur gefürchteten Sauerfäule. Die Beeren verfärben sich grau bis rot-braun, beginnen zu faulen und werden von einem Schimmelbelag überzogen. Befällt der Pilz die Traubenstiele oder das Traubengerüst, kommt es zur Stielfäule. Die ganze Traube welkt und die Trauben fallen oft schon vor der Reife ab.

Erfolgt die Infektion bei nicht zu feuchter Herbstwitterung erst im Stadium der Vollreife der Beeren, so „durchlöchert“ der Pilz die Beerenhaut. Dadurch kann das Wasser in den Beeren besser verdunsten und die Beeren rosinenartig ein. Der Zuckergehalt wird stark konzentriert. Mit Hilfe dieser Edelfäule werden vom Winzer hochwertige Prädikatsweine wie Beerenauslese, Ausbruch oder Trockenbeerauslese erzeugt.

Die Botrytis läßt sich im allgemeinen nur vorbeugend bekämpfen, in dem man die Belüftung der Trauben durch entsprechenden Laubarbeit verbessert und den Einsatz von Stickstoffdünger begrenzt.

Roter Brenner:

Diese Krankheit tritt meist nur in flachgründigen, steinigen und trockenen Hanglagen auf. Durch den Befall werden die Hauptadern der Blätter verstopft, wodurch die Blätter anfänglich gelbbraune (Weißweinsorten) bzw. rubinrote (Rotweinsorten) Flecken bekommen und später verdorren. Schließlich fallen die Blätter ab, wodurch keine Assimilation mehr stattfindet und die Beeren in ihrer Reifeentwicklung gehemmt sind.

Der Rote Brenner wird meist mit den gleichen Fungiziden bekämpft wie die Peronospora.

Schädlinge

Traubenwickler (Heu- und Sauerwurm):

Von den Winzern werden die Raupen des Traubenwicklers in der ersten Generation (Mai/Juni) Heuwurm und in der zweiten Generation (Juli/August) Sauerwurm genannt. Eine Bekämpfung des Heuwurms ist im allgemeinen nicht notwendig, außer wo ein starker Befall zu verzeichnen ist.

Wesentlich gefährlicher ist der Sauerwurm. Diese Raupen verletzen die noch unreifen Beeren und ermöglichen dadurch einen Befall durch den Botrytis-Pilz. Bei feuchtem Wetter und starkem Raupenauftreten kann der Traubenertrag erheblich vermindert werden, zumindest bewirkt ein Befall eine starke Qualitätsminderung. Der richtige Spritztermin mit entsprechenden Insektiziden wird durch eine sorgfältige Beobachtung des Mottenfluges bestimmt. Dabei wird der Höhepunkt des Traubenwicklerfluges und damit der optimale Bekämpfungstermin mittel sogenannter Sexualduftstoffe-Fallen ((Phermonen-Falle) festgestellt. Zu diesem Zweck wird alle zwei bis drei Tage die Anzahl der in den Fallen gefangenen Falter registriert und auf diese Weise ermittelt, zu welchen Zeitpunkt die intensivste Mottenflug stattfindet.

Rebstecher:

Er tritt bis Juni auf und bewirkt Knospenfraß oder Lochfraß an jungen Blättern. Er legt seine Eier an das Blatt und wickelt das Ei zigarrenförmig ein. Dieser Wickel fällt später zu Boden und dient der geschlüpften Larve als Nahrung. Nur bei massiven Auftreten ist eine chemische Bekämpfung notwendig.

Rote Spinne:

Unter den Schädlingmilben ist die Rote Spinne am weitesten verbreitet. Sie leben auf der Unterseite der Blätter und ihre Larven saugen an den Blättern. Diese Saugtätigkeit beeinträchtigt die Assimilationsleistung der Blätter stark, schädigt so den Rebstock und führt zu Blattzerstörung, Wuchshemmung, geringerem Traubenansatz, Reifeverzögerung und damit zu geringeren Mostgewicht. Durch die starke Vermehrungsfähigkeit können die Milben zu einem Massenbefall in den Weingärten führen.

Die Bekämpfung erfolgt im zunehmenden Maße biologisch durch Einsatz von Raubmilben, die den Schädling aussaugen und sich derart ernähren, ohne daß dabei eine Schädigung der Rebstöcke eintritt. Sind die Raubmilben nicht vorhanden, werden sie bewußt „eingebürgert“. Nach einiger Zeit stellt sich eine Gleichgewicht ein und eine Bekämpfung mit chemischen Pflanzenschutzmitteln ist kaum mehr erforderlich.

Kräuselmilbe:

Diese nur 0,15 mm großen Milben bewirken durch ihre Einstiche und Saugtätigkeit ein Zurückbleiben der Triebe nach dem Austrieb. Es entstehen Kümmertriebe. Die Blätter stellen an den Einstichstellen das Wachstum ein, daß übrige Blatt wächst weiter, so daß typische Blattzereißungen entstehen. Die Assimilationsfläche wird vermindert. Bei mehrjährigen Befall sterben die Stöcke ab. Die Bekämpfung erfolgt zum Winterausgang durch gründliche Stockwaschung mit Austriebsspritzmittel oder Netzschwefel.

Reblaus:

Die Reblaus (Viteus vitifoliae) ist eine Pflanzenlaus aus der Familie der Zwergläuse (Phylloxeridae). Sie ist ein bedeutender Schädling im Weinbau.

Auf Grund unterschiedlicher Verhaltensweisen gegenüber den Weinreben vermutet man, dass es verschiedene Arten der Reblaus gibt. Der für seine Forschung an der Reblaus berühmte Wissenschaftler Carl Börner zum Beispiel unterschied zwischen einer weniger gefährlichen langrüssligen und einer schädlicheren kurzrüssligen Reblausart.

Die Reblaus ist bei uns durch Aufpropfen auf amerikanischen Unterlagsreben ausgestorben.

Rebzikade:

Die Grüne Rebzikade ist ein Insekt, das ausschließlich aus den Stoffleitungsbahnen saugt und Verstopfungen verursacht.

Zikadenschäden können mit Mangelerkrankungen (Kali-, Magnesiummangel) mit Trockenschäden oder mit der virös bedingten Blattrollkrankheit verwechselt werden.

Der ausgestorben geglaubte Schädling ist in den letzten Jahren wieder vermehrt aufgetreten.

 

 

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